Weihnachtskarten
 

logoWie kam es überhaupt dazu, dass wir nun unterwegs sind nach Burma, Arakan State, in unser hoffentlich neues Projektgebiet?

Wie viele von Euch wissen, sind wir als Projekt Burma e.V. immer in Tübingen auf dem Weihnachtsmarkt vertreten. Und neben der schönen Weihnachtsatmosphäre, die wir dann endlich auch mal genießen können, nachdem wir die Wochen davor von morgens bis abends in der Küche zugebracht haben um unsere Leckereien herzustellen, genießen wir es auch jedes Mal sehr, mit so vielen Menschen über unser Projekte und Burma ins Gespräch zu kommen.
Auch dieses mal waren es wieder so viele gute Gespräche mit interessanten und interessierten Menschen, die uns oft auch dazu inspirieren, etwas Neues anzudenken. Eine junge Frau erzählte uns in einem dieser Gespräche von ihrer eigenen Einsatzerfahrung mit einer Hilfsorganisation, die seit Jahren in Burmas Bürgerkriegsregion Kachin State Hilfe leistet. Und die nach den aufgetretenen Unruhen in Arakan State auch dort von jetzt auf gleich ein Projekt auf die Beine gestellt hat, um den am meisten von dem beginnenden Bürgerkrieg, der zwischen der buddhistischen und der muslimischen Bevölkerungsgruppe aufgetetren war, zu helfen. Wir waren beeindruckt. Die Information, dass es an Hilfe noch lange nicht genug sei und diese Organisation dringend Unterstützung brauche, ließ mich fragen, wie diese Organisation denn heiße.
Das Gespräch endete damit, dass ich eine email Adresse auf einem kleinen Zettelchen hatte, das ich in unsere Standkasse legte und der Idee, dass wir uns nach den Weihnachtsfeiertagen melden wollten bei Craig. So hieß der Mann, dessen Adresse ich nun hatte.
Am Jahresanfang beschloss ich, mich per email bei Craig zu melden. Ich hatte noch abgewartet und gut überlegt was ich schreiben mag, denn ich weiß aus Erfahrung, dass es nicht immer auf offene Ohren stößt, wenn man seine Hilfe anbietet, manch eine Organisation hat schon auch mal etwas Sorge, man wolle sich zu sehr ins Projekt einmischen.
l1060380Aber da hatte ich mir ganz umsonst Sorgen gemacht. Es ergab sich eine nette email Korrespondenz mit Craig, der sehr offen war und froh um jegliche Art der Unterstützung. Seine Teams arbeiteten überwiegend medizinisch, jedoch auch Nahrungsmittelverteilungen, der Bau von Schulen und Brunnen waren angedacht. Also etwas, womit wir als Projekt Burma ja schon viel Erfahrung haben.
Wir überlegten nicht lange. Die Not der Menschen wurde uns als unglaublich groß beschrieben. Das einzig schwierige an dieser Angelegenheit war, dass die burmesische Regierung mit Argusaugen beobachtet, wer nach Arakan State kommt, was diejenigen dort machen und dass es nicht gebilligt wird, wenn man der muslimischen Bevölkerungsgruppe hilft. Doch eben diese Gruppe ist in diesem Falle die ohne Ausweg aus dieser Situation. Die, der es am miserabelsten geht. Die, um die sich niemand kümmert. Burma sagt ganz offiziell, man möge ihnen bitte dabei helfen, diese Bevölkerungsgruppe aus dem Land zu bringen. Sie sind in Lagern untergebracht, erhalten kaum oder keine Lebensmittelverteilungen und haben auch sonst keinen Zugang zu Hilfe.
Dennoch haben wir beschlossen zu fliegen. Um uns ein Bild zu machen, mit Craigs Team von Partnersworld zusammen zu arbeiten und so der Himmel es mag, auch medizinische Hilfe zu denen zu bringen, die es am nötigsten brauchen. Dabei wollen wir keinen Unterschied machen was irgend eine Religion oder Ethnie angeht. Einzig die Bedürftigkeit soll eine Rolle spielen.
l1060073Mit im Team haben wir beide dieses mal auch deshalb unser aktives Mitglied Gunver Werringloer, mit der ich schon einen Hilfseinsatz in Somaliland/Kenia erlebt habe, sie ist unsere Teamärztin, und auch Gaby Breuckmann, sie ist Krankenschwester und mittlerweile im Vorstand der Hilfsorganisation Landsaid e.V. und ebenfalls einsatzerprobt.
Kurz vor Abflug erreichte uns eine dringende email von Craig. Sein Team musste ganz überstürzt aus Sittwe, der Stadt in die unser Trip geplant ist, abreisen, da die Behörden auf ihre Arbeit aufmerksam geworden sind und nicht sicher ist, wie die Regierung damit umgeht.
Nach einem Moment des Überlegens, wie wir damit umgehen sollen, haben wir beschlossen, dennoch aufzubrechen, da wir das nun langsam kennen. Dieses Vorgehen der burmesischen Behörden. Und wir dennoch immer geschafft hatten, was wir uns vorgenommen haben. Wir hatten das Gefühl, das wird uns tragen und aller Widrigkeiten zum Trotz und wir werden alles versuchen um diesen Menschen etwas Hilfe zu bringen und diese möglichst langfristig aufrecht zu erhalten.
Auch die Tatsache, dass wir in dieser Kurzen Zeit kein Visum von der Botschaft mehr erhalten würden, konnte dem ganzen keinen strich durch die Rechnung machen. Die Information, wie man in Bangkok in einem Copyshop ein burmesisches Visum erhält hat ausgereicht, um uns wagemutig ins unbekannte aufbrechen zu lassen.
Da es allerdings leider zu unsicher ist, euch allen dieses Tagebuch von vor Ort zukommen zu lassen, könnt ihr es leider erst lesen wenn wir daheim sind.
Wollen wir also sehen was alles so passiert...
 
5.2.2013
 
l1060077Wir sind nun endlich im Projektgebiet angekommen. Nachdem wir 3 Nächte in Bangkok verbracht haben, wo wir die letzten Vorbereitungen für den Einsatz vor Ort getroffen haben, unser Visum für Burma in einem Copyshop beantragt haben (ja, in Asien ist alles möglich...) und uns alle im Team miteinander vertraut gemacht haben, ging unser Flug früh morgens um 8 Uhr los. Zunächst nach Yangon, der Hauptsatdt Burmas, wo wir von unseren Helfern Soe Naing und Thiri empfangen wurden. Wir hatten etwa 1,5 Stunden Zeit für Übergabe der burmesischen Telefonkarten und gewechseltes burmesisches Geld.
Mit einer Propellermaschine ging es dann weiter nach Sittwe.
Im Flugzeug trafen wir bereits Craig. Wir hatten zuvor nur über FaceTime telefoniert, erkannten uns somit aber auch sofort.
Ganz kurzfristig hatte sich für seine Organisation die Möglichkeit ergeben, mit einer lokal registrierten NGO ein Gemeinschaftsprojekt auf die Beine zu stellen. Und er signalisierte uns sofort, dass er nach wie vor bereit war, uns diesen Kontakt weiter zu geben.
Nach einem gemeinsamen ersten Abendessen wussten wir mehr.
Er hatte sich mit einem jungen Burmesen getroffen, der bei MRF (Myanmar Relief Foundation) arbeitet und der bereit war, uns und unsere Ideen ebenfalls kennen zu lernen.
Wir sind also gespannt was sich daraus ergibt. Geduldig sein wird es auch dieses mal wieder heißen, doch wir versprechen uns viel.
 
6.2.2013
 
l1060648Nachdem wir uns heute einmal in Sittwe umgesehen haben können wir definitiv sagen, dass wir außer einer hohen Polizei und Militärpräsenz nichts davon mitbekommen, dass sich noch vor ein paar Monaten hier blutige Straßenschlachten abspielten und sich die beiden größten Minderheiten in diesem Teil Burmas um ihr Leben trachteten.
Einzig die Ausgangssperre ab 22 Uhr macht uns klar, dass es nach wie vor angespannt ist.
Wir haben unser mobiles Büro vervollständigt, unsere Abrechnungen gemacht, emails gesendet und beantwortet, der Tag verging schnell.
Am Abend bekamen wir dann den Anruf, daßder junge Burmese, den wir hier Mao Mo nennen werden, da er ungern im Internet auftauchen mag, bereit war, sich mit uns zu treffen,Craig hatte das organisiert.
Wir sind sprachlos, wie unkompliziert die Kommunikation mit Craig von Partners World ist und wie selbstverständlich er versucht, auch uns die Möglichkeit zu geben, hier ein Projekt auf die Beine zu stellen. Das sind wir alle wahrlich nicht gewohnt.
Noch versuchen wir, möglichst unauffällig durch die Stadt zu kommen, doch die großen NGOs und das Militär haben ihre Augen überall und wir sind uns noch nicht sicher, wie wir die Erlaubnis bekommen sollen, die Hilfe dort hin zu bringen wo sie so dringend benötigt wird.
Das Kennenlernen mit Mao Mo war großartig, er scheint hier alles fest im Griff zu haben. Ein junger Burmese, engagiert, den Ärmsten der Armen, vor allem aber der vertriebenen muslimischen Minderheit in den Lagern zu helfen, in denen sie nun seit Monaten eingesperrt und nur mit mangelnder Nahrung und medizinischer Versorgung leben.
Er meldet sich morgen für ein Gespräch inseinem Büro.
Wir sind richtig guter Dinge und so gespannt!!!
Von Craig haben wir uns heute verabschiedet, er ist zurück nach Chaing Mai geflogen und wird versuchen, gemeinsam mit Mao Mo zu erreichen, dass Partners World medizinische Teams in die muslimischen Lager senden darf und das mit der Erlaubnis der obersten Regierungsbehörde. Wir drücken die Daumen und hoffen auf das gleiche...
 
7.2. 2013
 
l1060432Tatsächlich!
Nach unserem Umzug in das Hotel direkt nebenan rief uns Mao Mo an, er sei bereit sich mit uns im Büro zu treffen.
Viele junge Burmesen, die bei seiner Hilfsorganisation arbeiten, haben uns empfangen und wir hatten etwa 2 Stunden Zeit, um gemeinsam zu überlegen, wie unsere Hilfe aussehen kann.
Unsere Entscheidung fiel schnell.
Wir werden zu gleichen Teilen in buddhistischen IDP Camps, in denen die Menschen ohne Zuhause leben müssen, als auch in den muslimischen Camps Hilfsgüter verteilen. Beginnen werden wir damit, den buddhistischen Flüchtlingen Hilfe zu bringen, da das am einfachsten ist und uns auch vor den Behörden vermehrten Schutz bietet. Des Weiteren haben wir beschlossen, der Regierung für ihre Hilfe bei der Versorgung der Flüchtlinge mit einer großzügigen medikamentenspende unter die Arme zu greifen.
Wir sind zwar gänzlich gegen das Vorgehen dieser Militärregierung, jedoch erkennen wir auch, dass wir weder darum herum kommen, noch dass es gar keine Versuche gibt, die Katastrophe einigermaßen einzudämmen. Die Mühlen mahlen eben anders in Burma, das kennen wir ja schon. Und unsere Medikamente können auf alle Fälle gebraucht werden, egal wo.
Diese werden wir wohl die nächsten Tage gemeinsam mit Mao Mo einkaufen gehen.
Diesen Abend sind wir nun völlig happy!! Das hätten wir uns ja wahrlich nicht träumen lassen, dass wir so schnell an unser Ziel gelangen würden.
Auch die Möglichkeit, medizinisch zu arbeiten wurde mit Mao Moe besprochen, irgendwie müsse das hinzukriegen sein, meinte er.
Es scheint sich also tatsächlich gut zu entwickeln und unser Mut, einfach loszufliegen hat sich gelohnt. J
 
8.2. 2013
 
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Heute haben wir uns ja kaum aus dem Hotel weg getraut. Mao Mo meinte, er würde sich ab 13 Uhr irgendwann auf unserem Handy melden und uns Bescheid geben, ob es ein Lager gibt, in das wir fahren können und wenn ja wann.
Wir wissen zu gut, dass die burmesischen Zeitangaben oftmals nicht unseren deutschen Vorstellungen entsprechen, umso verblüffter waren wir, als um 5 vor 1 unser Teamtelefon klingelte. Mao Mo war dran. Er hatte Reis und Öl in riesigen Mengen organisiert und wir würden in etwa 10 Minuten abgeholt, um loszufahren.
Da haben wir gestaunt. So schnell ist das von uns mitgebrachte Geld, wofür so viele von Ihnen gespendet haben, (Danke !!!!!), in Ware umgesetzt worden und war nunbreit an so viele auf Hilfe wartende Menschen verteilt zu werden.
Wir fuhren gemeinsam mit 3 Mönchen zu 4 verschiedenen Lagern. Die Menschen hier leben in sehr einfachen Strohhütten, in denen oftmals 10 Familien auf einmal untergebracht sind.
Viele Kinder haben keine Kleidung, die meisten sehen schlecht ernährt aus.
Umso größer war die Freude, die wir so vielen Familien machen konnten.
Die Essensrationen, die wir verteilten, werden etwa etwa für 2 Wochen gut reichen.
Vor der Verteilung von Reis und Öl erklärten die Mönche, wie viel jede Familie bekommt - und dann waren wir dran.
Mit Reis abmessen, Öl einfüllen und das alles im Akkord.
Wir waren ganz schön platt am Abend aber beseelt von den vielen Eindrücken und dem Gefühl, hier an der richtigen Stelle zu sein, auch wenn die Armut erschreckend groß ist.
 
11.2. 2013
 
l1060642Die letzten beiden Tage war nicht viel los, da am Wochenende auch in Burma keine Ämter geöffnet haben.
Wir haben all unsere Abrechnungen fertig gemacht, unsere email Korrespondenz mit Craig und den Liebsten daheim abgearbeitet und versucht, einen Überblick über die Stadt und die Lage hier zu bekommen mit all ihren Facetten. Dazu gehörte auch ein Ausflug an den Strand (Sittwe liegt genau am Meer), an dem es vor lauter Müll nicht möglich ist diesen zu genießen wie wir das kennen, auch baden wäre nicht möglich, da in Burma nicht üblich ist, sich als Frau im Bikini zu zeigen.
Wir sehen, dass ausschließlich buddhistische Menschen in Sittwe zu finden sind, die vielen armen muslimischen Rohingya (so heißt diese Bevölkerungsgruppe), die noch im Jahr 2008 als meine Eltern Sittwe besuchten überall im Stadtbild zu erkennen waren, jetzt nicht mehr vorhanden sind.
Wir überlegen uns oft wie es wohl sein wird, wenn wir diese Lager besuchen dürfen, wie es diesen Menschen gehen muss, wenn es doch schon der einheimischen Bevölkerung so schlecht geht.
Es heißt wie so oft in Einsätzen auch geduldig mit der Situation zu sein, auszuhalten, dass es so vieles zu tun gäbe. Dass da draußen in der Hitze so viele Menschen sitzen und dringend Hilfe benötigen, aber es ist eben nicht Deutschland, wo wir einfach ins Auto steigen und einfach mal irgendwo hin fahren. Die vielen Soldaten des burmesischen Militärs machen uns das immer wieder bewusst, ohne Erlaubnis würden wir eben mal bis zum nächsten Checkpoint kommen.
Doch dieses Warten auf die Erlaubnis zehrt sehr an uns. Trotzdem ist unsere Stimmung im Team gut und wir nutzen die Zeit für immer neue Ideen wie unsere Hilfe in den kommenden Monaten hier aussehen könnte. Und wir sind sicher, das alles hier wird Früchte tragen.
l1060610Als um 15 Uhr heute Mittag unser Teamtelefon klingelte und Mao Mo dran war waren wir dann auch schon wieder voll in Fahrt.
Wir wurden abgeholt und haben die Medikamente für die Spende an die Regierung eingekauft. Und erfahren, dass wir übermorgen früh im Gesundheitsministerium im Health cluster meeting mit dabei sein werden und als medizinisches Team raus fahren dürfen. Prima prima!!! Wir sind gespannt was uns erwartet, haben unsere ganze Ausrüstung, die wir dabei haben und auch die Medikamentenspenden die wir dankenswerter Weise von..DD.................................................. in
Dr. Vetter (Bärenapotheke) Herrenberg bekommen haben zusammengepackt und warten also abfahrtbereit auf übermorgen früh.
 


12.2. 2013
 
l1060649Heute ist der Nationalfeiertag der burmesischen Militärregierung und daher sind ein paar Feierlichkeiten in der Stadt. Wir vier sind etwas in Habachtstellung, da dies ein Tag sein könnte, an dem die Minderheiten in Burma mal wieder auf die Straße gehen um zu protestieren. In einer Region in der der Ausnahmezustand ausgerufen wurde und in dem es Militär an jeder Ecke hat eine nicht eben verlockende Vorstellung.
Wir tragen immer unsere Pässe und Passkopien von allen Teammitgliedern bei uns im Gürtel, haben immer jeder so viel Geld bei uns, dass wir im Notfall jederzeit aus Sittwe heraus kämen. Das ist ein komisches Gefühl, da wir uns ja in Burma so zu Hause fühlen, aber eine notwendige Sicherheitsmaßnahme für den Fall der Fälle, der hoffentlich nie eintreffen möge.
Doch der Tag blieb ruhig, Gott sei dank.
 

13.2. 2013
 
p1100399Heute war ein besonderer Tag!
Nach unserem frühen Frühstück wurden wir pünktlich um halb 9 von Mao Mo und seinem Freund abgeholt. Auf ging´s zum Meeting im Gesundheitsministerium. Wir wurden an den großen Tisch gesetzt, an dem auch andere Langnasen saßen. Neben uns war das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (ICRC) vertreten, uns gegenüber saß ein sehr verärgert aussehender Italiener von Ärzte ohne Grenzen, der den Gesichtsausdruck hatte, den wir auch gerne aufgelegt hätten im Zusammentreffen mit dem Government, da uns langsam aber sicher beinahe der Kragen platzt, wie wenig uns die Türen geöffnet werden, um den muslimischen Menschen Hilfe zu bringen. Kein Problem, wenn es um die „echten Burmesen“ geht, die anderen, die jedoch auch seit Generationen hier leben und die Burma als ihre Heimat betrachten, versucht man unserer Meinung nach auszuhungern und ihrem Schicksal zu überlassen.
Dennoch haben wir unsere freundlichen Gesichter aufgelegt und als wir uns in der großen Runde vorstellen ist es uns fast unwirklich, das hätten wir uns vor 5 Jahren nicht träumen lassen, dass gleich nach den anderen großen Organisationen auch Projekt Burma sich beim Gesundheitsminister vorstellen darf und Wünsche äußern wie unsere Hilfe hier eingesetzt werden soll.
Interessant war für uns hier zu erfahren, was die großen NGOs erzählen aus den Gebieten, die wir noch nicht gesehen haben und auch welche logistischen Schwierigkeiten es gibt.
Wir erfuhren z.B., dass das ICRC über eine burmesische Nummer gerufen werden kann, wenn man einen Krankentransport nach Sittwe benötigt. Das kann ja schon einmal wichtig sein.
Am Ende der Sitzung bekamen wir vom Gesundheitsminister ein Zertifikat, das unsere Medikamentenspende bescheinigt und wir wurden mit unserem Namen PROJEKT BURMA benannt, so wie wir auch von ihm in der Sitzung begrüßt worden sind.
Lange Zeit hatten wir uns ja Gedanken gemacht, ob der Name Burma wohl ein Problem mit den Behörden sein könnte, doch das hat sich nun in Wohlgefallen aufgelöst.
l1060692Im Anschluss daran und nachdem wir die unglaublichsten Toiletten im Regierungsgebäude besucht hatten, ging es los nach Tabai Village.
Etwa eine halbe Stunde Autofahrt vorbei an zwei Checkpoints etwas außerhalb der Stadt Sittwe gelegen, liegt ein ärmliches Dorf, in dem Muslime leben, deren Dorf nicht vollständig abgebrannt wurde. Wir erfuhren auf dem Weg dort hin, dass es keinem der Muslime möglich ist, dieses Gebiet zu verlassen, sie dürfen nicht in die Stadt, sind eingesperrt unter freiem Himmel.
In diesem Dorf steht eine kleine Klinik, ausgestattet mit OP und Entbindungsraum, an 2-3- Tagen die Woche schickt die Regierung ein burmesisches Ärzteteam, das die Grundversorgung übernehmen soll. Wie wir heute dann beim Arbeiten herausbekommen haben gibt es auch eine Hebamme und einen Gesundheitspfleger, die Tag und Nacht dafür bereit stehen und gerufen werden können. Sie sind selbst Rohingya und leben in diesem Dorf.
Das burmesische Ärzteteam war nach kurzem Zögern aber deutlichen Hinweisen von uns dazu zu bewegen, dass sie wie nach Plan ihre Patienten in der Malaria Sprechstunde sehen, wir uns um die anderen Patienten kümmern.
l1060865Das Aufbauen unseres Apothekentisches und die Organisation der Patientenannahme liefen wie geschmiert, dazu haben wir alle reichlich Erfahrung. Ein Übersetzer war im Handumdrehen gefunden und wir begannen damit unsere Patienten zu untersuchen.
Wir waren alle sehr erschüttert in welch schlechtem Zustand unsere Patienten sind! Unzählige Kinder mit hohem Fieber, Unterernährung, alte Menschen in kritischem Ernährungszustand, Menschen, die so wenig wiegen und schreckliche Magenschmerzen haben.
Wir sahen ein Baby, das die junge Mama wohl hat fallen lassen und das mit seinem Köpfchen auf heiße Kohlen gefallen war. Wir konnten die Wunde versorgen, fragen uns jedoch ob es dieses Schicksal überleben wird.
Einer der Männer, die im Wartezimmer auf einer Pritsche lagen hatte einen solchen Blasenhochstand, er ist sehr dünn, hat Fieber, es geht ihm schlecht. Durch die von Dr. Müller (Urologe, Herrenberg) gespendeten Katheter hatten wir hier die Möglichkeit durch das Legen des Blasenkatheters den Versuch der Abhilfe des Problems und seiner Schmerzen zu schaffen. Gunver ist jedoch der Meinung, dieses Problem könnte eine solch schwerwiegende Ursache haben, dass diesem netten jungen Mann nicht mehr zu helfen sei.

Was soll ich sagen.
l1060702l1060875l1060881Wir sind froh, dass wir hier sind, die Not ist riesig und wir k
önnen viel tun, doch die Umstände wie es dazu kommen konnte und das Wissen darum, dass uns diese Hilfe so schwer gemacht wird, machen uns schrecklich wütend.
Dennoch haben wir unsere positive Energie genutzt und gleich heute Abend in der Apotheke weitere Medikamente eingekauft, die wir dringend zum arbeiten benötigen.
Morgen geht es wieder raus. Zu den uns schon so schnell ans Herz gewachsenen Menschen in Tabai.
 
14.2. 2013
 
Nach unserem Meeting am Morgen sind wir noch schnell im Reisebüro vorbei gefahren, um für Gaby ein Rückflugticket zu besorgen. Wir alle sind traurig, dass sie schon vor uns abreisen muss, doch die Arbeit daheim wartet auf sie. Vor allem Marion wird sie vermissen, die beiden teilen sich ein Zimmer und es ist immer komisch wenn ein Team während des Einsatzes so auseinanderbricht, auch wenn man es schon vorher weiß.
Wir sind ein eingeschworenes Team geworden, können wir doch heiß diskutieren und herzhaft lachen, jede von uns hat ihre eigenen Stärken und Schwächen, wir ergänzen uns prima und immer zur rechten Zeit hat eine andere wieder eine Idee oder die Kraft, optimistisch nach vorne zu blicken wenn etwas mal wieder so völlig anders läuft als wir es uns wünschen würden.
l1060744Heute aber waren wir noch einmal komplett und sollten eigentlich in ein großes muslimisches Lager zum arbeiten gehen, das etwa 1 Stunde von Sittwe entfernt liegt. So der Plan. Doch die Regierung ist nicht gerade scharf darauf, uns Langnasen zu zeigen, in welch verheerendem Zustand sich die Menschen dort befinden, und obwohl es klug eingefädelt war, unser Versuch bis dort hin zu kommen, so wurde er doch jäh vom Minister unterbrochen. Stattdessen wurde uns ein burmesischer Arzt, der bei der WHO arbeitete an die Hand gegeben, er sollte mit uns in ein anderes Camp fahren.
Wir trauten unseren Augen kaum. Ein Vorzeigecamp mit einigermaßen gut genährten Menschen, die eine notdürftige Wasserpumpe hatten und gesundheitlich verhältnismäßig gut drauf waren. In diesem Camp sollten wir nun medizinisch arbeiten. Doch wir waren uns einig, diese Farce wollten wir uns nicht bieten lassen!
Mit Müh und Not konnten wir unseren Unmut zügeln und höflich darum bitten, uns nach Tabai zu bringen, denn da konnten uns die Menschen schließlich wirklich brauchen.
Es klappte, wir fuhren dort hin.
l1070114l1070100l1060885Unsere Freude war groß und die der Menschen auch. Sie hatten sich schon gefragt ob wir noch einmal kommen würden.
Wieder war es ein erfüllter Arbeitstag, wir konnten vielen Menschen wirklich helfen. Dennoch beschäftigen uns die Schicksale unserer Patienten sehr.
Ein Mädchen, das beide Hüften mit offenen Wunden versehrt hatte, seit Monaten und deren Hüftknochen man frei in der Wundhöhle liegen sehen konnte kam zu einer Art Verbandswechsel. Wir waren wirklich geplättet. Was muss ein Kind ertragen in solch einem Land.
Da wl1060861ir ja gestern erfahren haben, dass es einen Krankenwagen vom Roten Kreuz gibt, haben wir direkt davon Gebrauch gemacht.
Und es klappte. Dieser Krankenwagen kam und mit an Bord war der nette Herr, den wir aus dem Meeting kannten. Ein Franzose. Er erklärte uns, dass das größte Problem der Menschen nicht nur die Tatsache ist, dass sie nicht alleine bis nach Sittwe dürfen, außer an Bord des Krankenwagens, sondern dass auch die meisten Patienten nicht mitgenommen werden wollen, da sie um ihr Leben fürchten wenn sie im Krankenhaus sind. Zu viele wurden in den vergangenen Monaten umgebracht. Es muss ein Einzelzimmer für die muslimischen Patienten bereitgestellt werden, oftmals übernimmt ein Rote Kreuz Mitarbeiter die Sitzwache.
Diese Furcht vor den Zuständen der letzten Monate sollten wir ganz bald zu spüren bekommen. Gleich zwei Kinder mit gebrochenen Armen waren unsere nächsten Patienten, dringend hätten wir sie in die Klinik nach Sittwe bringen wollen, doch die Eltern hatten zu sehr Angst um das Leben ihrer Kinder. Hier wird lieber ein funktionsloser Arm durch das schlechte Verheilen eines beinahe unversorgten Bruches und viele Schmerzen hingenommen als der Verlust eines geliebten Kindes. Auch hier in der dritten Welt sorgen sich Eltern schrecklich um ihre Kinder, das erleben wir immer wieder und so manche still geweinte Träne von Eltern und Kindern hat uns an diesem Tag erbarmt.
Unsere beiden Bruchpatienten waren unglaublich tapfer und haben dank Organisationstalent von Marion tolle Holzschienen bekommen, Gaby und Gunver haben beide Arme prima versorgt bekommen und mit unseren mitgegebenen Schmerztabletten haben sie es wenigstens etwas einfacher, das tröstet uns dennoch.
Leider geht es unserem Blasenpatienten noch nicht wirklich besser, doch auch er möchte nicht in die Klinik nach Sittwe.
Wir fühlen uns sehr wohl in Tabai und wir würden uns wünschen, noch lange hier her kommen zu können. Mal sehen, ob sich die nächsten Tage eine Möglichkeit ergibt.
 
15.2. 2013
 
Heute Morgen haben wir ein weiteres Mal das Meeting besucht. Langsam kennen wir alle und auch alle uns, was zu einem netten Gespräch mit dem Mann von Ärzte ohne Grenzen geführt hat. Wir haben wieder einmal mehr Infos bekommen und auch unsere email Adressen ausgetauscht. Die schwierige Situation vor Ort scheint alle Hilfsorganisationen etwas näher zusammen zu rücken und wir sind froh über diese helfenden Hinweise und die Kooperationsbereitschaft aller, denn nur so kann den Menschen hier geholfen werden.
l1060891Nach dem Meeting hatten wir noch Zeit unsere Emails zu checken und dann Gaby zum Flughafen zu bringen. Ein letztes Mal gebratener Reis am Straßenrand und dann mussten wir uns schweren Herzens verabschieden. Wir freuen uns schon jetzt auf unser Telefonat nach dem heimkommen, denn wir haben noch ein paar Tage zu dritt vor uns und hoffen das Beste.
Nachdem wir Gaby verabschiedet hatten, sind wir ins Hotel zurück gefahren.
Unser Teamtelefon ging gegen halb 2. Mao Mo war am Telefon, er hatte es organisiert, dass wir heute in die muslimischen IDP Camps fahren konnten, um dort Hilfe zu bringen. Wir hatten im Team beschlossen, dass wir gerne Feuerholz und Öl und Seife verteilen wollen. Die wenigen Reislieferungen, die die Menschen bekommen, können sie oftmals gar nicht essen, da Reis ungekocht keinen satt macht. Darum müssen sie häufig die Hälfte ihres Reises verkaufen, um Feuerholz zu haben.
Das sollte nun also klappen.
Wir waren gespannt. Um mehrere Checkpoints zu vermeiden, sind wir etwas umständlich durch die Landschaft gefahren, um schließlich in 5 verschiedenen Camps diese Dinge zu verteilen.
l1060892l1060902l1060942l1060910Ich weiß nicht recht wie ich erklären soll wie es den Menschen dort geht, die Bilder von unserem Aufenthalt sprechen für sich. Wir waren zutiefst bestürzt. In Strohhütten in Hundehütten Größe leben die Menschen hier, ohne Versorgung auf engstem Raum. Wenn der erste Regen die ausgetrockneten Flussläufe füllen werden, werden all diese Hütten und vermutlich viele ihrer Bewohner weggeschwemmt werden, die Regenzeit steht bevor.

l1060950Wir hatten das große Privileg, diese Hütten von innen zu betrachten, es ist lediglich
eine Art Strohdach auf dem lehmigen Untergrund. Hier bringen Frauen ihre Kinder zur Welt, versuchen Menschen zu überleben. Menschen, die zuvor oftmals auf eigenen Beinen stehen konnten, denen aber Grund und Boden sowie Fischrechte entzogen wurden.
Es erscheint uns ein Fass ohne Boden und dennoch haben wir das Gefühl, dass genau hier unsere Hilfe richtig ankommt.
Heute Abend haben wir beschlossen, dass ganz dringend diese Menschen weiter versorgt werden müssen mit Wasser und Essen, mit Feuerholz und Öl, vielleicht auch mit Unterkünften. Wir werden sehen was möglich ist und hoffen sehr darauf, dass wir viel Unterstützung aus Deutschland bekommen.



l1060827Ein Sack Reis, der einer Familie einen Monat zum Überleben reicht, kostet gerade mal 15 Euro. 2 ltr. Öl 15 Euro.
Wie einfach können so viele von uns auf 15 oder 5 Euro verzichten, um einer Familie das Essen für einen Monat zu ermöglichen.

Heute Abend sind wir sehr erschöpft und gehen früh ins Bett. Die Eindrücke haben uns müde
gemacht und morgen dürfen wir noch ein letztes Mal nach Tabai zum Arbeiten, das haben wir eben erfahren.
 



16.2. 2013
 
l1060868l1060851l1070137l1070119Unser letzter Tag in Tabai. Arbeit wie immer, viele Schicksale, viele Menschen, die sich riesig freuen dass wir da sind. Meine Hebammenkollegin und ihr Mann (der Gesundheitshelfer) sind unglaublich nett und wir alle würden so gerne noch länger hier her kommen, doch es ist unser letzter Tag.
Gemeinsam mit Mao Mo haben wir beschlossen, dass die Tabai Klinik einen Warteraum mit Fundament und Dach bekommen soll, dass die vielen Kranken nicht in der prallen Sonne der womöglich im strömenden regen warten müssen. Das werden wir versuchen von Projekt Burma zu realisieren, die Zusage des Ministers haben wir bereits.
Auch die Schule in Tabai benötigt für ihre 1000 Schüler dringend neue Tische und Bänke, wir denken auch hier über ein neues Projekt nach.
Schön war heute zu sehen, dass die Patientin, die sich mit einer schlecht verheilten Bisswunde bei uns vorstellte, heute beim Verbandswechsel lächelte, die Schmerzen waren nun etwas besser und die Wunde sieht deutlich besser aus! Da lohnt sich doch unser da sein. Auch der junge Mann mit dem Blasenkatheter, der noch immer im Wartesaal lag, saß heute im Bett, lächelte uns an und er hatte kein Fieber mehr.
l1070108Was uns am meisten berührte war der Besuch eines Mannes, der gestern für uns die Verteilung des Holzes in den Camps organisiert hatte. Er ist so eine Art Bürgermeister. Und er kam extra den ganzen langen Weg bis zu uns. Und er teilte uns mit, dass aus jedem Camp einer der Männer zu ihm gekommen sei und ihn gebeten habe von allen Familien auszurichten, wie sehr sich die Menschen für Holz, Seife und Öl bedanken.
Es konnten mehr als 3000 Haushalte mit diesen Hilfsgütern versorgt werden.
All jenen von euch, die uns so schnell gespendet haben noch vor unserem Abflug also hiermit ein herzliches Dankeschön direkt von den Menschen vor Ort! Das wäre sonst nicht möglich gewesen!
Am Nachmittag ließen wir dann unsere Salben und Verbände, die Katheter und anderes Verbrauchsmaterial bei Hebamme und Gesundheitshelfer und verabschiedeten uns herzlich.

Die Kinder bekamen Luftballons, die wir für sie aufbliesen und es war noch einmal ganz besonders, ihre große übermütige Freude daran zu erleben.
Mein Übersetzer, der die Medikamentenausgabe mit mir betreute hatte sagte zum Abschied zu mir: „Bitte betet für uns, dass es besser wird, die Situation hier.“
„Das machen wir, ganz sicher.“, habe ich ihm gesagt.
Ob wir auch Muslime seien, fragte er mich daraufhin. „Nein“, habe ich geantwortet.
„Das ist ja auch nicht wichtig.“ meinte er.
l1070154Wie Recht er doch hat. Egal welche Religion ein Mensch hat, solche Zustände sollte niemand jemals erleben müssen. Und wir hoffen von ganzem Herzen, dass es anders wird in Arakan State. Dass wir weiterhin Hilfe bringen können zu diesen Menschen. Denn sie sind uns sehr ans Herz gewachsen.
Morgen werden wir aufbrechen nach Yangon und von dort aus nach Hause. Es war eine bereichernde Zeit, die uns selbst sehr nachdenklich gemacht hat, uns aber gleichzeitig anspornt nicht aufzugeben.

Vor allem aber wissen wir, dass sich jeder Tag gelohnt hat!